Dresden ist eine schöne Stadt, fast so schön wie Berlin :-), aber letztens wurde sie für mich durch eine Erfahrung noch etwas schöner: meine dreitägige Fortbildung über „Lösungen mit dem Systembrett; visualisieren – erkennen – verändern“. Das Seminar wurde von Wolfgang Polt & Georg Breiner  aus Wien durchgeführt, den beiden –  nach meiner Ansicht – Systembrett-Päpsten.  Es hatte den schönen Beinamen „Bauch meets Hirn“, da es um die Verknüpfung von kognitiven und emotionalen Betrachtungen ging.

Der Ursprung der Methode ist das Familienbrett, das 1978 von Kurt Ludewig in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Hamburg für die Familientherapie entwickelt wurde.  Es ist eine visuelle Methode, die schnell überraschende Ergebnisse bringt. Ich arbeite seit Jahren im Coaching damit, jedoch bisher nur gelegentlich, meist in einer fortgeschrittenen Phase eines Coachings. Nach einem Einstiegsseminar 2012 in Wien hat mir der diesjährige 3-Tage-Workshop tiefere Erkenntnisse und weitere Anwendungsmöglichkeiten erschlossen.

Figuren Wem Aufstellung mit menschlichen Vertretern vertraut ist, kann sich gut vorstellen, dass hier Figuren als Stellvertreter auf einem Brett platziert werden. Die Figuren können für Menschen, Gefühle oder Begriffe stehen. Der Klient/die Klientin wählt Figuren aus, die für diesen Zweck passen: Es gibt farblose Holzfiguren verschiedener Größe und Form mit Augen und Nase sowie farbige Holzfiguren ohne Gesicht –  manche Coaches arbeiten auch mit Spielfiguren oder Playmobil-Figuren.

Der Klient stellt die Figuren so auf dem Brett auf, wie diese eine Situation am besten verdeutlichen, z.B einen Konflikt am Arbeitsplatz, eine berufliche Sackgasse, eine schwierige Entscheidung … Dann beschreibt er, wofür die Figuren stehen und welche Beziehungen sie beschreiben. Durch Umrunden des Brettes kann er dies auch aus verschiedenen Richtungen, Blickwinkeln und Abständen tun. Der Coach beobachtet sein Verhalten und stellt systemische Fragen, um die Selbstreflexion des Klienten zu fördern und das System besser zu verdeutlichen. Je nach Fragestellung verändert der Klient dann die Anzahl und Position der Figuren, erläutert die Unterschiede und wird begleitet von weiteren hilfreichen Fragen des Coaches. Der Klient kann seinen Figuren Sprache verleihen und so mit entfernten (oder sogar verstorbenen) Menschen sowie bedeutenden Begriffen/Gefühlen in Kontakt treten.

Wem das jetzt esoterisch klingt, dem sei gesagt, dass ich ein realistischer Mensch bin. Bei der Aufstellung findet der Klient jedoch schnell Zugang zu seinen Gefühlen, die ganz real sind, und kann diese praktisch ausdrücken. Wenn er dieses Beziehungsgeflecht nur in seinem Kopf bewegt, drehen sich die Gedanken oft im Kreis – das Brett bietet die Möglichkeit, die verschiedenen Bestandteile einer schwierigen Situation zu verorten und sie dadurch leichter erfassbar und veränderbar zu machen.

SystembrettIch wende die Methode in meinem Schwerpunkt, der beruflichen Orientierung, meist dann an, wenn eine Klientin zwar alles über sich herausgearbeitet hat, was sie für ihre berufliche Zukunft braucht, aber sie den ersten Schritt zur Umsetzung nicht gehen kann. Bei der Aufstellung kommen dann meist sehr wichtige Aspekte ins Spiel (gefühlt z.B. als Barrieren, Ängste oder auch Wünsche), die im Coaching bisher nicht angesprochen wurden. Durch die Umstellung von Figuren kann die Klientin dann die angestrebte Zukunft ins Visier nehmen und fest ansteuern, z.B. indem sie Figuren als Trittsteine nutzt oder andere wegschiebt, um Sichtachsen zu schaffen.

Auf der Grundlage der aktuellen Fortbildung habe ich nun meine Anwendungsmöglichkeiten erweitert, z.B. auf die Auftragsklärung oder Richtungsentscheidungen im Coaching. Das Systembrett inspiriert Klient und Coach!

Wer sich noch tiefgründiger mit der Methode beschäftigen möchte, der findet hier eine gute Grundlage: „Aufstellungen mit dem Systembrett“ von Wolfgang Polt und Dr. Markus Rimser, Wien 2006.

Welche Erfahrungen haben Sie als Klientin oder Coach mit dem Systembrett gemacht? Für welchen Typ von Anliegen wurden die Figuren aufgestellt? Welche Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen? Welche Informationen, Netzwerke, Fortbildungen etc. würden Sie empfehlen, speziell in Berlin?